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Der erste Schultag…

Mein Tag heute begann früh, denn mein erstes Tagesziel war Braunau. Nach nur zwei Stunden Schlaf und einer etwas wehmütigen Verabschiedung von Katharina & Fin machte ich mich auf den Weg nach Braunau am Inn, um dort einige Schulen zu erkunden. Die Fahrt dorthin gestaltete sich äußerst lustig und erstreckte sich über vier kunterbunte Etappen mit den unterschiedlichsten Lenkern: Zuerst war ich mit Mike, einem Grafiker aus Linz unterwegs. Er ließ mich bei einer Tankstelle aussteigen, von der mich Monika, eine Krankenpflegerin, bis nach Ried im Innkreis mitnahm. Dort musste ich am Kreisverkehr eine Weile warten, bis mich Karl, ein älterer, verdutzter Landwirt mitnahm – irgendwo im Nirgendwo ließ er mich dann aussteigen. Gott sei Dank befand sich nicht allzu weit entfernt die Ausfahrt eines kleinen Dorfes. Als ob das Schicksal den Zweck meiner Reise kennen würde, werde ich von einer Lehrerin mitgenommen, die nach Braunau unterwegs ist.

HTL Braunau - Auf nach Bildung

In Braunau angekommen, werde ich von Herrn Maier zur etwas außerhalb gelegenen HTL gebracht; der angeblich „besten Schule Österreichs“ (zumindest wurde sie 2009 als solche ausgezeichnet). Ich ging einfach zum Direktor, der mich mit einem wichtigen Besuch, den er erwartete, verwechselte. Als er mich dann als Bildungshitchhikerin erkannte, gab er mir ein kurzes Interview und lobte seine Schule samt ihrer SchülerInnen außerordentlich. Vor allem die Beziehung zwischen Lehrern und Schülern sei hervorragend und dass sei für die Qualität des Unterrichts einfach unerlässlich. Natürlich wollte ich mir davon ein eigenes Bild machen und befragte ein paar Schüler. Auf die erste Frage – ob ich sie filmen dürfe – bekam ich sofort die Gegenfrage, wie es denn mit den Filmrechten sei und ob diese mit der Schulleitung besprochen seien – der Direktor hatte also ganz offensichtlich zurecht die kritische und reflektierte Haltung seiner Schüler gelobt. Was die Schüler am meisten an ihrer Schule schätzen? Die tolle Beziehung zu ihren Lehrern, die Freiheit in manchen Unterrichtseinheiten und die Tatsache, dass die meisten auch praktische Berufserfahrung haben.  Das hilft also, um zur besten Schule Österreichs gewählt zu werden.

HAK Braunau - Land der Bildung

Gegen Mittag machte ich mich auf zur Handelsakademie, die ich durch einen kurzen, matschigen Spaziergang durchs Feld erreichte. Zumindest meine Schuhe werden diesen Marsch nie vergessen. Die HAK ist ein faszinierender Kontrast zur HTL, nicht nur, weil die Schüler sich hier für eine ganz andere Fachrichtung entschieden haben, sondern auch, weil diese Schule eine andere Mentalität prägt.

Die Schüler und Schülerinnen sind freundlich und locker drauf. Auf meine Frage nach ihrer Definition von Bildung bekomme ich eine einfache Antwort: „Naja, ich würde einfach sagen Schule.“ Was die HTLer mit den HAKlern verbindet, ist eine Faszination mit meinem übergroßen (Hitchhike-)Like-Daumen – der kommt überall an.

Charly HAK Braunau

Nach etwa einer halben Stunde in der HAK traf ich Charly, der inoffiziell bereits mehrere Male zum beliebtesten Lehrer der Schule gewählt worden war. Zu seinen Fächern Englisch und Sport pflegt er eine unübersehbare Liebe und im Gespräch, bei dem wir auch über seine Kinder und Bildung im Allgemeinen sprachen, merkte ich, dass ihm die Beziehung zwischen SchülerInnen und LeherInnen sehr am Herzen liegt.

Abt Michelbeuern - Land der Bildung

Gegen 13:30 komme ich in Michaelbeuern an. Das einzige Lebenszeichen in diesem Dorf, das von einem Benediktinerkloster dominiert wird, ist eine Gruppe Pensionisten, die sich sofort für mich und meinen Like-Daumen faszinieren. Ich wurde sogar eingeladen, sie nach Salzburg zu begleiten, aber vorerst beschäftigte mich noch Michaelbeuern – ich machte mich auf ins Kloster. Dort stellte sich sogar der Abt des Klosters, Johannes Perkmann, meinen neugierigen Fragen. Mich interessierte vor allem, was Bildung für ihn bedeutet: „Bildungs hat für mich mit Bild zu tun. Also dieses Bild in mir zu entwickeln, zu dem ich berufen bin. Ganz nach dem Motto ‘Werde, der du bist’.“ Nach diesen Worten entschloss ich mich, durch’s Dorf zu spazieren und Menschen dieselbe Frage zu stellen. Die Stille faszinierte mich, es waren keine Menschen auf der Straße. Im Süden sah ich mein Ziel für die nächsten Tage: die Alpen. Michelbeuern ist ein magischer Ort. Nach einer Weile kehrte ich in die Schule zurück und Pater Gregor zeigte mir alles.

Michaelbeuern - Land der Bildung

Nach einer Stunde treffen wir zufällig die Direktorin und es entwickelt sich ein einstündiges Gespräch daraus, und sie betont, wie wichtig ihr die Beziehung zu ihren Schülern ist. Die Tür zu ihrem Büro sei immer offen und die Schüler kämen auch zu ihr, wenn sie sich z.B. vor einer Schularbeit fürchten. Mir fällt sofort auf, wie sehr sich das mit den Aussagen der HTL-Schüler vom Vormittag deckt, die nicht genug betonen konnten, wie wichtig die Beziehung zu den Lehrern sei.

Nach diesen intensiven Erlebnissen gönnte ich mir etwas Zeit zur Reflexion auf einem einsamen Hang, um der Sonne beim Untergehen zuzusehen. Ich hatte schon ungefähr eine Ahnung, wo ich diese Nacht schlafen würde und wartete noch auf einen bestimmten Anruf. Bald würde es dunkel und sehr kalt werden, da war ich mir sicher.

Aufenthalt im Bankfoyer - Land der Bildung

Der frühe Einbruch der Dunkelheit ist eine der größten Herausforderungen beim Hitchhiken zu dieser Jahreszeit. Meine vorläufige Lösung zum Aufwärmen und Warten war das Foyer einer Bank, in dem es warm und hell war. Ich dachte über meine Situtation nach und fühlte mich ein wenig wie eine Obdachlose – und eigentlich bin ich das zur Zeit ja auch. Doch obwohl ich scheinbar obdachlos bin fühle ich mich gar nicht verloren, mein Bauchgefühl schenkt mir immer wieder ein Vertrauen, das noch nie enttäuscht wurde. So bekam ich schon bald den ersehnten Anruf von Mathias‘ Mutter, die ganz in der Nähe wohnt und sich bereit erklärte, mich für die Nacht bei sich im Wohnzimmer aufzunehmen.
Langsam merkte ich meine Müdigkeit, die während dem Tag verflogen war und bevor ich meinem Körper endlich die ersehnte Ruhe gönnte, ließ ich noch den Tag auf mich wirken. Nachdem ich am Vortag in Linz ausschließlich Schulen und Menschen besucht hatte, die mir durch mein dortiges Netzwerk empfohlen wurden, bin ich heute aktiv auf Schulen zugegangen, ohne irgendeinen speziellen Bezug dorthin zu haben.

Michaelbeuern at Night - Land der Bildung

Die unmittelbare Abfolge von HTL, HAK und Hauptschule (bzw. Neue Mittelschule) ließ die Unterschiede, aber vor allem die Gemeinsamkeiten unheimlich deutlich hervortreten. Die HTL Braunau hatte mich vor allem interessiert, weil sie ja angeblich die „beste Schule Österreichs“ sei und ich das intuitiv sehr stark hinterfragte. Der Aspekt an unserem Bildungssystem, der an allen Schulen die ich besuchte kritisiert wurde, war der Umgang mit Fehlern. Sie würden nicht als Entwicklungsmöglichkeit, sondern als negative Laster gesehen, was die Angst vor ihnen schüre und den Mut zur Kreativität bremse. Lieber wird viel Zeit und Geld für Nachhilfe und die Beschäftigung mit den eigenen Schwächen verwendet. Was wohl wäre, wenn wir diese Ressourcen in die Entwicklung unserer Stärken investieren würden? Diese Frage werde ich mir wohl noch des Öfteren stellen in den nächsten 10 Tagen. Ich bin schon gespannt…

1 Comment

  1. Hey, sehr lustig und spannend, was du machst! Wünsch dir viel Spaß dabei und hoffe du machst viele nützliche Erkenntnisse.

    Wenn du Lust hast, frag die LehrerInnen/DirektorInnen/SchülerInnen doch einmal, welchen Rat sich zukünftigen LehrerInnen geben würden! ;)

    Alles Gute

    Post a Reply

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