Sharing is Caring!

Mein Tag heute begann mit dem, was in der Schule “bildnerische Erziehung” heißt. Nach dem Aufwachen machten Flo und ich uns daran, Bildung auf einer weißen Leinwand auszudrücken. Es waren vielleicht 5 Pinselstriche, mit denen jeder von uns sich verewigte.  Müsste man das Werk interpretieren, so käme man nicht umher, „Bildung“ als recht düster zu beschreiben. Ob es tatsächlich so ist, liegt natürlich im Auge des Betrachters – macht euch also ein Bild:

IMG_0833 IMG_0832

Wir hatten das Kunstwerk eine Weile bewundert, da traf ich Felix , einen Multimedia-Arts-Studenten , der auch im Heim wohnt. „Eigentlich“, meint Felix, „bin ich Kindergartenpädagoge.“ Was seine Traumschule sei? Die FH hier in Puch. Nämlich wegen der kleinen Gruppen. Dem Praxisbezug. Der individuellen Betreuung, Dem tollen Netzwerk. Flo kann all dem nur durch eindeutiges Nicken beipflichten. Aber gibt es auch etwas, das die beiden verbessern würden, an ihrer Traumschule? „Ja, die Unabhängigkeit.“, fällt Flo ein. Denn dadurch, dass die FH von Arbeiterkammer und Wirtschaftskammer gefördert werde, büße sie etwas von diesem in der Bildung und Forschung besonders wichtigen Asset ein. Kunst und Wissenschaft müssen frei sein – die FH sei ein wenig zu sehr „Teil des Systems“. Und – inzwischen kann ich diese Antwort schon fast hinzufügen, bevor ich überhaupt die Frage stelle – sie wünschen sich ein Ende der Fehlerkultur. „Die Talente, die wir hier haben, das sind teilweise wirklich außergewöhnliche Künstler. Wenn man die bloß mehr in ihren Stärken fördern, als sich auf ihre Schwächen konzentrieren würde…“ Mir kommt dabei sofort der Vortag und mein Gespräch mit der Kindergartenpädagogin in den Sinn, die genau das gleiche ausdrückte. Wie viel mehr solcher außergewöhnlichen Künstler es an der FH wohl geben würde, wenn diese bereits im Kindergarten in ihren Talenten gestärkt werden würden?

gutaussehendertyp

Diese Frage beschäftigt mich, während ich am Kreisverkehr auf meine Weiterfahrt nach Tirol warte. Nach kurzer Wartezeit bereits drehen zwei Jugendliche extra zwei Runden im Kreisverkehr um mich mitzunehmen. Hannes und Snezana gehen noch zur Schule und sind sehr zufrieden mit ihrer Schulwahl. Ihrer Meinung nach bereitet sie die HTL/HAK Hallein sehr gut auf die Arbeitswelt vor. Schon bald kommen wir zur nächsten Raststätte, wo sie ich aussteigen lassen und ich warte wieder eine Weile, bis mich Joseph und Philipp mitnehmen, die gerade von einer Weiterbildung kommen. Wie ihr euch vielleicht vorstellen könnt, fällt es mir inzwischen immer schwerer, an Zufälle zu glauben. Denn die Leute die mich mitnehmen, könnten nicht besser zum Ziel meiner Reise passen. Vielleicht aber liegt es auch einfach an der magischen Anziehungskraft meines HItchhikedaumens… Auf jeden Fall finden die beiden Greenkeeper (Menschen die sich um die Golfplatzanlagen kümmern) das Projekt super und dass ihre Weiterbildung nicht umsonst war, wird mir während der Fahrt, auf der sie mich detailliert in ihre Ansichten zu Landwirtschaft, Ernährung und Rasen einführen, glasklar. Als sie mich dann in Kematen, einem 2000-Seelen Dorf mitten im Tiroler Inntal, aussteigen lassen, ist es schon dunkel.

2typen

Auf gut Glück gehe ich zu einem Bauernhof und frage, ob ich wohl für die Nacht bleiben dürfe – ich erfahre meine erste Enttäuschung an diesem Tag. Sie währt aber nicht lange, denn auf der Straße treffe ich Katharina, die mit einer Freundin spaziert. Als ich ihr meine Reise und meine Bitte erkläre, zückt sie sofort das Handy und ruft ihre Oma in Unterperfuss an, die normalerweise Zimmer an Jakobswegpilger vermietet – ich darf gratis bei ihr bleiben und bekomme zur Begrüßung eine köstliche Jause vorgesetzt. Auch wenn Katharinas Oma zu Beginn etwas skeptisch ist, so beantwortet sie meine Fragen mit der Zeit immer freudiger. Dass ich es – dem Klischee nach – gar nicht tirolischer erwischen hätte können, wird mir klar,  als ich sie nach dem Ort frage, wo sie am meisten gelernt habe: In Unterperfuss, im Haus ihrer Eltern  – denn da habe sie zum Beispiel auch das notwendige Rüstzeug erhalten, um mit einundzwanzig Jahren die Silbermedaille im Kuhmelken abzuräumen. 1 Stunde; 10 Kühe; – Prost!

madln

Julia & Katharina.

Wie es nach meiner Nacht am Bauernhof weitergeht, erfahrt ihr in meinem nächsten Artikel.

Submit a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>