Sharing is Caring!

Am Sonntag habe ich meine Freundin Chrissi zu ihrer Arbeit, der „Kleinwohnanlage Birkenwiese“, einem für sie sehr lehrreichen Ort, begleitet. Sie arbeitet hier mit Menschen mit Behinderung und man braucht nur den Eingang betreten, da merkt man schon, dass hier „gelebt“ wird. Sogleich lerne ich Klaus, einen sehr aufgeweckten Mann im Rollstuhl kennen und er schildert mir äußerst enthusiastisch, wie er sich für „Selbstvertretung“ einsetzt, also dafür, dass Menschen mit Beeinträchtigung auch von Menschen mit Beeinträchtigung vertreten werden. Eine Herausforderung, da Menschen wie er ohnehin täglich mit Barrieren zu kämpfen hätten, sei es im Gasthaus oder beim Einsteigen in den Bus. Ein normales Leben sei kaum möglich, aber man könne sich durch Inklusion daran annähern: Deshalb ist Klaus‘ Traumschule eine Schule der Inklusion. Wie viel ihm die Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigung bedeutet merke ich auch, als er mir von der Inklusionsparty, die im Mai stattfinden wird, erzählt. Bands werden auftreten und jeder sei willkommen: das sei wahre Bildung für ihn.

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Nach diesem ermutigenden Gespräch und etlichen weiteren Eindrücken mache ich mich gemeinsam mit dem Zivildiener Simon auf den Weg in die Innenstadt Dornbirns – ich befinde mich auf der Suche nach einer Unterkunft, denn auch wenn es bei meinen Freundinnen sehr schön war, so ist es doch mein oberstes Ziel, immer neue Leute und ihre Gedanken zu Bildung kennenzulernen. Es dauert nicht lange, da treffe ich Kelvyn, der mich gern in seiner WG unterbringt. Auf dem Weg nach Hause erzählt er mir von seinen Schultagen in einer Montessorischule. Vor allem der scheinbar unbegrenzte Freiraum, den er in dieser Schule hatte, war ihm sehr viel wert. Er konnte sich mit Dingen auseinandersetzen, die ihn interessierten und musste sich von klein an selbst organisieren. Später musste man sich auch mit den eigenen Schwächen befassen. Als er dann in die Berufsschule wechselte, sei das schon ein Erlebnis gewesen. Als „kurios“ beschreibt er seinen ersten Tag dort, in einer Klasse mit 37 anderen. In der Montessoriklasse waren sie gerade einmal 10 SchülerInnen gewesen. Von der letzten Reihe aus auch nur irgendetwas mitzubekommen, sei nahezu ein Ding der Unmöglichkeit gewesen, schildert er seine Erfahrung in der Berufsschule weiter.  An der Berufsschule hat er außerdem 46 Stunden pro Woche, während es an der Montessorischule nicht annähernd die Hälfte gewesen waren. Doch auch wenn es eine Herausforderung gewesen war, er habe sie geschafft und außerdem die Matura nachgeholt, damit er das Grafikdesignstudium, das er gegenwärtig verfolgt, aufnehmen konnte. Seiner Meinung nach eine gute Entscheidung.

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(Oft fragen mich Menschen, ob ich nicht Angst hätte vor den vielen fremden Menschen & Orten.  Katharina (Kelvyns Mitbewohnerin) und ihre Backkünste flößten mir bis jetzt wohl am meisten Angst ein ;))

Schließlich erzähle ich ihm noch ein wenig von meiner bisherigen Reise und es beweist sich wieder einmal die altbekannte Weisheit, dass die Welt ein Dorf ist: die Menschen, die mich von Zirl aus mitgenommen hatten, sind gute Freunde von ihm. Er sei dort aufgewachsen und habe gemeinsam mit ihnen einen Kulturverein gegründet.

Am Abend denke ich noch einmal über meinen Besuch in der Kleinwohnanlage nach und an die Ausführungen von Klaus über Inklusion. Man sollte sie sicherlich stärker in die Schulbildung einbinden. Denn wenn wir uns nicht die Chance geben, von Menschen mit Beeinträchtigung zu lernen und Menschlichkeit und Akzeptanz mit ihnen zu üben, so behindern wir in erste Linie uns selbst.

1 Comment

  1. Sehr mutig!
    Werde alle Blogs lesen!

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  1. Mein Wochenende im Westen // Samstag | Auf nach Bildung - […] Hier geht’s weiter zum Sonntag >> […]

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