Sharing is Caring!

In den nächsten drei Blogposts habe ich für euch die spannendsten Erlebnisse der zweiten Woche meiner Reise zusammengefasst. In jener Woche bin ich von Vorarlberg, über Fulpmes in Tirol, nach Villach; von dort dann weiter nach Graz, in den burgenländischen Seewinkel und letztendlich in’s Waldviertel (Niederösterreich) gereist.

Nachdem ich noch einen Tag in Dornbirn verbrachte und im Sonderpädagogischen Zentrum zu Mittag essen durfte, mit Schülerin Isabella und ihren Kollegen im BRG über ihren Partizipationswillen (“Man muss gerade uns fragen, weil wir sind da und wir wissen was gut und nicht so gut ist!”) sprach und das Projekt „Leuchtturm“ besuchte, wo Jugendliche ihren Hauptschulabschluss nachholen können.

IMG_1662 IMG_1663

Isabella & Kollege                                                                  Projekt Leuchtturm

Spannend an diesem Projekt war, zu sehen, wie Bildung Menschen Mut geben kann. Teilnehmende erklärten mir, nun wieder den Mut zu haben, ihren Träumen nachzugehen und Arzt, Krankenschwester oder Tatoo-Artist werden zu wollen. Die Erfahrung im Leuchtturmprojekt sei eine ganz neue, denn in ihren vorherigen Schulen sei ihnen vor allem gesagt worden: “Du wirst es nie schaffen!”. Für sie ist der Leuchtturm eine wahre Licht- und Hoffnungsquelle, in einem an (Bildungs-)Möglichkeiten sonst eher düsteren Leben.
Projektleiterin Lisi Schwendinger’s Traumschule ist eine Schule die SchülerInnen da abholt, wo sie stehen und sie fördert in den Bereichen, die sie interessieren.

Mein nächstes Bundesland war wieder Tirol. Dort hatte ich die Möglichkeit, im Don Bosco Schülerheim zu übernachten (Danke Peter!) und die HeimbewohnerInnen zum Thema Bildung  zu befragen.

IMG_1665IMG_1672

Das Gespräch am nächsten Tag mit dem Direktor der HTL Fulpmes, Martin Schmidt -Baldassari zeigte mir erneut, wie wichtig die Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden ist:

Er schilderte mir, wie wichtig es sei, dass sich neben dem Weitergeben von fachlicher Kompetenz und dem Fördern der Persönlichkeitsentwicklung, im Klassenzimmer jeder als Lehrender und Lernender wahrnimmt. Natürlich sei die fachliche Kompetenz des Lehrers und die Unterstützung, die er zum Erwachsenwerden der Schüler beiträgt nicht zu übersehen. Aber den Schülern die Möglichkeit zu geben anmerken zu dürfen wenn etwas nicht passt, ermögliche auch den Lehrern, sich immer weiter zu verbessern und zu lernen. Zentral dabei sei der höfliche Umgang. Eine SchülerIn sollte seine/ihre Meinung ehrlich ausdrücken dürfen, denn ansonsten würde man systematisch „Ja- Sager“ produzieren – das für Direktor Schmidt–Baldassari schlimmste Szenario. SchülerInnen, die alles ohne zu Hinterfragen annehmen und ausführen.

IMG_1666 IMG_1671

Peter                                                                  Martin Schmidt -Baldassari

Nach diesem Einblick bekam ich noch eine Tour durch die Werkstätten der HTL. Holz-, Plastik-, Eisenverarbeitung mit sichtlich motivierten SchülerInnen.

IMG_1669IMG_1668

Weiter ging es (etwas umständlich) über’s Deutsche Eck nach Villach. Dort kam ich bei Sabrina unter, welcher der Austausch von Fähigkeiten im Bildungssystem ein großes Anliegen ist. Nur durch Kooperation kann man ihrer Meinung nach wirklich etwas über sich lernen – ein Leben lang. Keuchend und verschwitzt radelten wir zur Carinthia International School (CIS), wo folgendes Kurzvideo entstand.

Danach gab es ein Mittagessen mit Robert, einem Bekannten von Sabrina, der folgende Gleichung aufstellte: Bildung = Erfahrung = Zeit*Raum*Beziehung. Er ist überzeugt, dass durch Gesten wie einem symbolischen Ritual am Anfang des Schuljahres, bei dem die Lehrer den Schülern die Hände waschen, die Beziehung zwischen diesen gestärkt wird. Weitere spannende Einblicke bekam ich auch bei „change the box“, einem Get-together der Klagenfurter Startup-Szene, zu dem mich Sabrina mitnahm.

Allerdings musste ich mich als Skifahrerin verkleiden, um gratis die ÖBB nutzen zu können – mit einem Skiticket und Skibekleidung versuchte ich den Anschein zu machen, gerade vom Berg zu kommen und somit gratis fahren zu dürfen. 0 Euro it is! ;)

IMG_1125IMG_1088

Bevor wir aufbrachen durfte ich noch Sabrinas Mutter, Melitta, kennenlernen, die mir von ihren Erfahrungen als Kindergartenpädagogin erzählte und nicht ganz einverstanden mit der Tatsache ist, dass einige Eltern die ganze Erziehungsverantwortung an KindergartenpädagogInnen abtreten und somit keine vernünftige Grundlage mehr zur Erziehung und Bildung der Kinder besteht.

Zufälligerweise fuhr sie gerade zu einer Gewerkschaftsversammlung von LehrerInnen. Sabrina und ich zogen es dann aber doch vor,  die Landwirtschaftliche Fachschule Stiegenhof zu besichtigen. Dort erhielten wir einen guten Einblick in Unterrichtsmethoden, welche die Natur miteinbeziehen: Kühemelken, aber z.B. auch Gartenanbau wird dort vermittelt, betonte der Vizerektor.

Am Weg nach Graz nahm mich ein ehemaliger Taxifahrer mit. Er schleppte gerade ein Auto ab und schleppte mich gleich mit ab. Sein Kommentar zu Bildung: „Wenn du etwas lernen willst, rede mit TaxifahrerInnen – die wissen/hören/sehen alles.“

Am Ende dieses Tages landete ich in Graz bei Stefan, einem Studenten. Er war auch mein letzter Autofahrer vor Graz. Seiner Meinung nach ist Selbstreflexion die Grundlage und im Optimalfall auch das Resultat von Bildung. In vielen Haushalten werde Selbstreflexion allerdings nicht mehr gefördert.

Ich verbrachte einen großen Teil meines Tages in Graz mit Philipp, der gerade von einer Bildungstour in Brasilien zurückgekommen war. Er hatte mich kontaktiert und so spazierten wir durch die Stadt und diskutierten seine, wie auch meine bisherigen Erkenntnisse. „In Brasilien passiert gerade einen Bildungs(r)evolution und wir sind mitten drin“, erzählte er ganz aufgeregt.

IMG_1195IMG_1212

 

Gemeinsam begaben wir uns ins „KLEX“. Das KLEX – Klusemann Extern ist eine Ganztagsschule mit veränderter Zeitstruktur, für 10 – 14Jährige. Was mir sofort ins Auge stach waren die Möbel. Manche Klassenzimmer waren etwa mit Stockbetten und Couches ausgeschmückt. Ich frage mich, wie diese Möbel die Kinder (und auch Kinder im Allgemeinen) im Schulalltag beeinflussen – verändert es ihren Bezug zum Klassenzimmer? Ihre Lernmotivation? Die Art, wie sie lernen? Leider kamen wir beim KLEX erst mit dem Läuten der Schulschlussglocke an und konnten deshalb nicht mit Kindern und Schulpersonal sprechen.

Wie so oft während des Trips fragte ich mich, warum ich mich auf diesen 0-Euro-Deal eingelassen hatte. Wildfremde Leute fragen zu müssen, ob sie für die Nacht noch ein Bett freihaben, gab mir nicht nur ein gewisses Gefühl der Obdachlosigkeit, sondern forderte mir auch einiges an Selbstüberwindung ab. In Graz wurde mir die Sinnhaftigkeit dieser Herausforderung aber wieder eindeutig vor Augen geführt: Ich hatte um 21:30 noch keine Unterkunft gefunden und sprach auf der Straße fremde Leute an.

Auf wen ich traf und ob ich eine Übernachtungsmöglichkeit fand könnt ihr im nächsten Blogpost “Woche 2 –  Von Saukälte und Omas Schweinsbraten (2/3)” schon in den nächsten Tagen nachlesen.

Submit a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>