Sharing is Caring!

Nachdem ich schon eine Weile durch die Grazer Innenstadt und einer ziemlichen “Saukälte” geirrt war traf ich auf Jacky. Sie war gerade zu einer Party unterwegs und schickte mich sofort zu ihrem Haus, wo ich Andreas traf und bei einem Glas Wein eines der spannendsten Gespräche der gesamten Tour hatte. Einblicke, die ich in meinem privaten Umfeld sicher nicht bekommen hätte.  Er erklärte mir, was es heißt, sich als junges Elternpaar mit dem Thema Bildung auseinanderzusetzen. Ein Resultat dieser Auseinandersetzung ist, dass ihre Tochter Ronja ab nächstem Jahr in einen Waldkindergarten gehen wird.

Ich durfte die süße Ronja in der Früh dann auch noch kennenlernen, nachdem ich in der Nacht neben ihrem Hund auf der Couch geschlafen habe. Nachdem ich Ronja etliche Bücher vorgelesen hatte, beschlossen wir beide nicht über Bildung zu sprechen, sondern sie einfach mal auf die Wäscheleine zu hängen ..

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Von Graz aus wurden meine Weiterfahrten immer schwieriger. Es hatte etliche Minusgrade und in Graz neben der Straße zu stehen machte es nicht wirklich erträglicher. Die vielen schockierten und verwunderten Blicke bohrten Löcher in mein erfrorenes Gesicht.

Nach vier Mitfahrgelegenheiten kam ich schließlich in Pitten an. Noch nicht ganz Burgenland, aber fast. Ein Neuseeländer hatte sich bereit erklärt, mich bei sich unterkommen zu lassen. Am Anfang hatte ich einige Bedenken, er schien mir einfach „zu nett“.
Dann allerdings musste ich mich als gebürtige Australierin daran erinnern, dass es in Neuseeland und Australien eine ganz andere Mentalität im Beherbergen von Fremden gibt. Mir wurde erneut bewusst, wie viel Bildung mit Vorurteilen zu tun hat – was auch zu einem spannenden Diskussionsthema mit meinem neuseeländischen Host wurde.

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Tag 12 war angebrochen und ich konnte das „B“ Wort schon fast nicht mehr hören. Ich hatte schon mit so vielen Leuten darüber gesprochen und hatte bis jetzt keinen Ruhetag, um all diesen Input zu verarbeiten. Zwei Tage lagen aber noch vor mir, und ich hatte nicht vor aufzugeben.

Das Burgenland hatte mich nur für eine kurze Weile. Der erste Autofahrer entschied für mich die Route entlang des Neusiedlersees und ein lustiges Erlebnis war die Tankstelle in Donnerskirchen im Burgenland. Es war so kalt draußen, dass ich mich in der Tankstelle aufwärmen wollte und als ich sie betrat stellte sich heraus, dass es sich hier um einen Hotspot im Ort handelte.

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Neben der Leberkässemmel und dem Kaffee, auf die ich eingeladen wurde, bekam ich viel Input von einer älteren und ländlich geprägten Generation. Überwiegend männlich und sehr interessiert am Trip. Sie erzählten mir, dass Bildung sehr viel mit Praxis zu tun habe und sie oft das Gefühl haben, die junge Generation gar nicht mehr verstehen zu können. „Die sitzen doch nur vor ihren Handys“ meint einer. Ein anderer ergänzte: „Die sollen was Gscheits lernen“.
Orte wie diese sind faszinierend, denn man kann dort sehen, dass der Konflikt zwischen den Generationen gerade seit Beginn des digitalen Zeitalters noch extremer wird. Bildung findet laut Herrn B. in der heutigen Zeit bei  ”den Jungen”  sehr stark online statt, nur hat sich laut ihm noch nie jemand die Zeit genommen, es der älteren Generation zu erklären. Er ist der Meinung, dass sich “die Jungen” scheinbar so sehr in das Leben online steigern,  dass sie gar nicht merken, wenn jemand den Sprung ins Onlineleben noch nicht geschafft hat.

Diese Erfahrung gab mir zu denken und ich wollte daraufhin genau auf diese Generationenfrage eingehen. Während ich an meiner Leberkässemmel kaute beschloss ich dass in meinem Umfeld zu tun und gleichzeitig meine eigene Bildung zu hinterfragen. Ich machte mich also, nach dem ich im Burgenland fertig war, auf den Weg ins Waldviertel. Genauer gesagt nach Schrems zu meinen Großeltern und Oma’s Schweinsbraten. Bis jetzt hatte ich mich nur von den FahrerInnen und den Menschen am Weg leiten lassen und bin dorthin gefahren, wo man mich hinbrachte und hinempfahl.

Zum Abschluss der Reise wollte ich allerdings meinen eigenen Bildungsweg genauer erkunden und hinterfragen.
Nach einem etwas längeren Kampf, die richtigen FahrerInnen zu finden, war Vlad so freundlich, mich durch den Wiener Verkehrsdschungel zu führen, zwei Lehrlinge aus Wiener Neustadt nahmen mich nach Maissau mit und ein Herr R. aus Maissau führte mich direkt vor die verschneite Tür meiner Großeltern. Großartiges Kino fand statt, als ich das Wohnzimmer meiner Großeltern betrat. Sie dachten zuerst, ich sei ein Geist, da es sich um einen Überraschungsbesuch handelte.
Zusätzlich waren sogar meine Eltern und drei meiner  Brüder vor Ort, um den Geburtstag meiner Oma zu feiern.

Somit hatte ich auch die Chance, meine Eltern und einen meiner Brüder, der bald Lehrer sein wird, zu interviewen.

Etwas, das sich inhaltlich wie ein roter Faden durchzog, war, dass alle meinten, sie hätten in ihrer Familie am meisten gelernt. Meine Großeltern von ihren Kindern und der Erziehung derer. Meine Mutter „hier in meinem Elternhaus“. Mein Vater, ein gebürtiger Australier: „from my family“. Einer meiner vier Bruder jedoch antwortete auf die Frage: „Im Ausland“.

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Unsere Eltern hatten uns die Freiheit gegeben, ins Ausland zu gehen. Das heißt nicht, dass sie uns die Reisen finanzierten; sie bestärkten uns einfach darin, wenn wir auf ein solches Abenteuer gehen wollten. Ihre Förderung unserer Abenteuerlust kam mir auch während des Trips äußerst zu gute: denn das Reisen und auch so manche andere scheinbar verrückte Aktion haben mich gelehrt, keine Angst vor Fehlern zu haben, sondern aus ihnen zu lernen und haben mir darüber hinaus ein Mindset der Offenheit gegenüber dem Neuen gegeben. Wofür ich sehr dankbar bin.

Zur Generationenfrage sprechen diese zwei Bilder mehr als tausend Worte:

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Meine Großeltern waren sehr begeistert, als ich ihnen einen Einführung in den “Land der Bildung” Blog  gab und sie währenddessen fotografierte. Danach ihre eigenen Fotos am Handybildschirm zu betrachten war für sie ein Highlight. Dieses ganze “Computerzeugs” ist schon zu viel für ihn, meinte mein Großvater. Zu alt wäre er, um sich jetzt noch damit zu beschäftigen. Auch meine Einführung konnte seine Einstellung diesbezüglich nicht verändern. Oder vielleicht doch?
Ich bekam einen Anruf von meiner Großmutter ein paar Tage danach, ob ich wohl gut angekommen sei und ob es schon einen neuen “Blogpost” gäbe.

Mein letzter Reisetag brachte mich zum “PAN-Projekt”. Welche (Bildungs)Eindrücke ich von dort nach Hause nehmen konnte gibt es im nächsten Blogeintrag “Woche 2 – mein letzter PANtastischer “Auf nach Bildung” Reisetag (3/3)” nachzulesen.

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