Bildung ist eines der meistdiskutierten Themen unserer Zeit. Sie gilt als Schlüssel zum persönlichen Erfolg des Individuums, als auch zum ökonomischen Erfolg ganzer Nationen und Kontinente. Begriffe wie „Wissensgesellschaft“, „Innovation“, „Exzellenz“ und „lebenslanges Lernen“ findet man regelmäßig in den Sonntags- und Zukunftsreden politischer Persönlichkeiten. Setzt man sich jedoch aktiv mit dem politischen Diskurs zu dieser zweifelsfrei zukunftsbestimmenden Thematik auseinander, gewinnt man leicht den Eindruck, es geht mehr um kurzfristigen Wahlerfolg als den langfristigen Erfolg (also die Zufriedenheit und den Aufklärungsgrad) der Gesellschaft.

Als wir (das sind: Stephanie Cox, Mathias Haas und Clemens Guptara) am Anfang dieses Jahres das Thema in freundschaftlichem Kreise diskutierten und unsere individuellen Erfahrungen mit „dem Bildungssystem“ austauschten, wollten wir herausfinden, ob wir die einzigen waren, die Bildung so bewegte wie uns. Wir wollten eine Art „Thermometercheck“ in der österreichischen Bevölkerung durchführen und herausfinden, inwiefern das „Land der Berge“, das „Land großer Töchter, Söhne“ auch ein Land der Bildung ist. So entstand die Idee, uns auf nach Bildung zu machen, also zwei Wochen durch Österreich zu reisen, diverse Bildungsinstitutionen kennenzulernen und zu erfahren, wie sehr „Bildung“ die Menschen in unserem Land beschäftigt und was sie damit assoziieren. Stephie wollte dabei ihre Komfortzone verlassen und sich mit Ansichten und Menschen konfrontieren, die sie sonst eher unwahrscheinlich kennengelernt hätte. Sie wollte ihre Komfortzone gezielt verlassen und erlegte sich deshalb die Herausforderung auf, die gesamten zwei Wochen keinen einzigen Cent für Transport oder Unterkunft auszugeben. Sie würde Hitchhiken und wildfremde Menschen fragen, ob sie bei ihnen für die Nacht bleiben dürfe. Mathias und Clemens unterstützten sie von Wien aus dabei, die Reise durchführen und sich via Internet (www.aufnach.landderbildung.at) und Social Media (www.facebook.com/LandDerBildung) mitteilen zu können.

Der 13. Jänner war auch schon das Datum der Abreise – Stephie begab sich an eine Tankstelle in Wien, um mit einem übergroßen Facebooklikedaumen (ihrem Markenzeichen) ihre erste Mitfahrgelegenheit anzulocken. Zwei Wochen, 9 Bundesländer, 2171 Kilometer und 42 Mitfahrgelegenheiten später war sie zurück in Wien und hatte mit mehr als 170 Menschen aus den unterschiedlichsten Ecken des Landes über Bildung diskutiert. Die Kritik, die dabei am derzeitigen Bildungssystem geübt wurde, war oft überraschend ähnlich; die folgenden Punkte haben sich als zentral herauskristallisiert:

1)      Bezug zu Natur und Ernährung:

Bereits bei Stephie‘s erster Station in Linz wurde von Katharina, einer alleinerziehenden Mutter, eindringlich geschildert, wie wichtig es ihr sei, dass ihr Sohn viel (Lern-)Zeit in der Natur verbringen könne. „Warum haben nicht alle Schulen einen eigenen Garten? Die Kinder könnten dort ihr eigenes Gemüse anbauen und somit mitbekommen, woher ihre Nahrung stammt. Einfach mehr Bezug zur Natur, das wäre wichtig.“ Immerhin, bereits die Philosophen und Naturforscher im antiken Griechenland haben ihre Schüler im Freien unterrichtet. Dass dieser Bezug zur Natur, zur Nahrung und zum eigenen Körper immer mehr verloren geht hat zum Beispiel auch Aileen geschildert, die Stephie von Tirol aus nach Vorarlberg mitnahm. Sie ist Ernährungs- und Fitnesscoach und die Anzahl der diabeteserkrankten Kinder steige rasant. „Viele Kinder können heute nicht einmal mehr einen Purzelbaum.“, bestätigt Benedikt, ein Turnusarzt aus Innsbruck.

2)      Verlust von Kreativität und eigenständiger Denkfähigkeit:

In Salzburg, der dritten Station nach Linz und Braunau am Inn, fällt dieser Verlust besonders stark auf: Nachdem sie am Vormittag von Kindergartenkindern ein wunderbar-kreatives Frühstück aus Papierlasagne und Glasnuggetsuppe gezaubert bekommt, besucht Stephie am Nachmittag die Pädagogische Hochschule. Dort diskutiert sie mit zukünftigen Lehrern und ein Mitarbeiter der Hochschule bringt diesen Schwachpunkt des gegenwärtigen Bildungssystems auf den Punkt, indem er fragt: „Kinder kommen hochmotiviert in die Schule – wie kann es sein, dass so vielen von ihnen bis zur Matura die Lust am Lernen vollkommen vergeht?“ Für einige zukünftige Lehrer, mit denen Stephie geredet hat, ist genau dieser Schwachpunkt eine starke Motivation, selbst Lehrer zu werden: „Wir wollen nicht sudern, sondern es selbst besser machen.“ Die Wichtigkeit des selbstständigen Denkens betont auch Hugo, ein Pensionist aus Vorarlberg, der Stephie rät: „Behalte deine Neugierde, und hör niemals auf zu fragen!“

3)      Rotstiftkultur beenden:

Kaum etwas wurde so oft kritisiert wie die Eigenschaft unseres Bildungssystems, Menschen mehr mit ihren Schwächen zu konfrontieren, als sie in ihren Stärken zu fördern. So sinniert zum Beispiel Felix, ein Multimediaarts-Student an der FH Puch: „Die Talente, die wir hier haben, das sind teilweise wirklich außergewöhnliche Künstler. Wenn man die bloß mehr in ihren Stärken fördern, als sich auf ihre Schwächen konzentrieren würde…”

4)      „Warum?“

Es sei unheimlich wichtig, nicht nur das Gelernte zu verstehen, sondern auch zu verstehen, wieso man es lernt. Zum Beispiel, indem man zeigt, wie sich etwas Gelerntes im eigenen Leben anwenden oder nützen lässt. „Wenn man weiß, wieso man einen Stoff lernt, lernt man ihn gleich viel leichter.“, meint Lukas, ein Geographiestudent aus Innsbruck. Und schließlich gestaltet sich auch das Unterrichten als angenehmer, wenn die SchülerInnen dem Unterricht motiviert folgen.

5)      Lehrer-Schüler Beziehung

Nachdem Stephie es nach Vorarlberg, ans andere Ende des Landes, geschafft hatte und durch Tirol nach Kärnten reist, besucht sie die HTL Fulpmes. Dort fällt ihr erneut auf, was sie auch schon an der HTL Braunau (der angeblich „besten Schule Österreichs“) gemerkt hatte: Die Schüler lernen gerne und gut, weil sie eine Beziehung zu ihren Lehrern haben. Es geht um eine respektvolle, aber enge Beziehung, meinten die Schüler in Braunau: „Wir haben ein sehr gutes LehrerInnen-SchülerInnen Verhältnis, wir machen z.B. außerhalb unserer Unterrichtszeit mit den LehrerInnen sehr viele Projekte. Wir sind per Sie, haben aber einen sehr engen Draht zu den Professoren. Dies wirkt sich auch sehr positiv auf unseren Unterricht aus.“ Der Direktor der HTL in Fulpmes, Herr Schmidt, bestätigt dies: „Grundsätzlich muss eine fachliche Kompetenz von Seiten der Lehrer stimmen. Ein höflicher Umgang miteinander ist sehr wichtig. Doch muss man SchülerInnen auch die Chance zum Erwachsenwerden geben und diesen Prozess mit Respekt begleiten. Sonst haben wir nur “Ja- Sager” in der Schule.“

Es ist uns wichtig, zu betonen, dass es sich bei dieser Reise um keine wissenschaftliche, repräsentative Studie handelt, sondern eben um einen hautnahen Thermometercheck: Wir wollten in einem möglichst authentischen, natürlichen Umfeld mit Menschen über Bildung diskutieren und herausfinden, ob diese Thematik die breite Gesellschaft so sehr beschäftigt wie uns.

Unsere Haupterkenntnis aus dieser Reise war eindeutig, dass das Thema Bildung „heiß“ wie nie ist: In zwei Wochen haben wir ohne jegliche Werbe- oder Meidenkampagne mehr als 700 Likes auf Facebook erhalten und zahlreiche unterstützende SMS und Emails, aber auch Interviewanfragen und Kooperationsangebote haben uns erreicht. Es besteht zum einen große Unzufriedenheit mit dem derzeitigen Bildungssystem und darüber hinaus ein (gleich?-)großer Tatendrang. Die Debatten über Gesamtschule und Zentralmatura im Hohen Haus und im Unterrichtsministerium gehen an dem vorbei, was Pensionistinnen in Unterperfuss, Alleinerziehende in Linz, Projektmanagerinnen in Villach und Studenten in Bregenz an Bildung bewegt. Unzählige Menschen gründen ihre eigenen Kindergärten und Schulen oder denken zumindest darüber nach, aus Frustration mit der gegenwärtigen Ordnung. Kaum eine Person, egal wie alt und egal ob vom Land oder aus der Stadt, gab auf die Frage: „Welcher Ort hat dich am meisten gebildet?“ Schule, Universität oder Kindergarten als Antwort. Viel eher wurden Omas Küche, der Wald oder der Stall genannt.

Bei der Strategieklausur, die der Reise „Auf nach Bildung“, folgte, wurde uns klar, was die künftigen Ziele von Land der Bildung sein werden: Awarenessraising und Ermutigung zur Partizipation der Zivilgesellschaft beim Thema Bildung. Wir sind überzeugt, dass eine Verbesserung der Bildung („des Bildungssystems“) nur möglich ist, wenn sich “der Mann und die Frau auf der Straße” (also genau jener Mann und jene Frau, welche Stephie auf ihrer Tour mitgenommen haben) mit der Thematik beschäftigen, darüber diskutieren und selbst aktiv werden. Denn keinesfalls haben wir drei alle Lösungen und Antworten – wir sind jedoch überzeugt, dass diese gefunden werden, wenn mehr Einzelpersonen und kleine Gruppen Fragen stellen. Deshalb ist unser konkretes Vorhaben zum einen eine Online- und Offlinevernetzung von Menschen, die an Bildung interessiert sind  und darüber hinaus ein gesamtgesellschaftliches „Bildungs-Awarenessraising“. Online wird dies zum Beispiel durch eine Videokampagne geschehen, bei der sowohl generelle als auch hochaktuelle Fragen zur Bildungsthematik diametral beleuchtet werden, um Menschen zu ermutigen, sich aktiv Gedanken und eine eigene Meinung zu bilden. Offline wird es lokale Diskussionsrunden  (z.B. “Land-der-Bildung-Brettljause“), aber auch überregionale und nationale Veranstaltungen geben.

Diese Kampagne und Plattform, die Land der Bildung sein wird, sind ein Resultat aus der Reise „Auf nach Bildung“, bei der uns zum einen klar wurde, wie viele Initiativen von Individuen und kleinen Gruppen es bereits gibt; und bei der wir zum anderen vom schier unerschöpflichen Potential zur Vernetzung und Partizipationsermutigung, das es in allen Teilen der Gesellschaft gibt, überwältigt wurden. Bildung lässt einfach niemanden kalt und findet jeden Tag, auch weit ab von Schule und Uni statt.

In einem Wort: Bildung ist heiß. Wir wollen diese Hitze in gesellschaftliche Bewegung verwandeln, welche die Thematik demokratisch fortschreiten lässt, anstatt sich weiterhin nur parteipolitisch im Kreis zu drehen.


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Seit 7 Tagen etwa bin ich zurück in der Hauptstadt – und viel ist seither passiert.

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Nachdem ich 14 Tage lang durch 9 Bundesländer gehitchhikt bin und mit mehr als 170 Menschen über Bildung gesprochen und diskutiert hatte, brauchte ich eine kleine Pause.

Der Deal: 0 Euro für Transport & Unterkunft, was die 2171 km und die mehr als 40 Mitfahrgelegenheiten sehr spannend, aber auch zu einer energetischen Herausforderung gemacht hat .

Auch wenn ich nicht zum Bloggen gekommen bin, so hat meine Pause trotzdem nicht lange angehalten: schon am Tag meiner Rückkunft wurde ich von einer großen Tageszeitung kontaktiert und um ein Interview gebeten. Generell scheint es mir immer mehr so, als ob sich meine Reise herumgesprochen hat. Obwohl wir so gut wie keine Werbung gemacht haben und keine Medien aktiv kontaktiert haben (weil wir auf das Outcome der Reise warten wollten), wurde ich seit meiner Rückkehr von jedem (!) den ich getroffen habe auf „Land der Bildung“ angesprochen. Schon während der Reise hat uns das Echo überrascht,  aber die Intensität und Vielzahl der Rückmeldungen seitdem ich wieder in Wien bin. Ich kann mich schwer an einem Ort aufhalten, ohne in ein Gespräch über das Projekt verwickelt zu werden. Wow!
Ich will an dieser Stelle auch im Namen von Mathias und Clemens ein riesiges Dankeschön an unsere Unterstützer und Follower aussprechen. Unzählige Anrufe, E-Mails und Nachrichten haben mich Tag für Tag ermutigt und auch die härtesten Tage „on the road“, bei keiner Ruhepause und -10 Grad weitermachen lassen.

Dieser Post ist also zum einen als Lebenszeichen, soll aber auch zur Beantwortung einiger Fragen, die mir immer wieder gestellt wurden und werden, dienen. Außerdem gibt’s einen kurzen Einblick in die vergangene Woche und  ihr erfahrt, was euch in der kommenden Woche erwartet.

 

Die häufigsten Fragen könnt ihr unter dem Menüpunkt FAQs (Frequently Asked Questions) abrufen. -

Eine der Fragen möchte ich auch noch speziell in diesem Post beantworten.

Oft wird mir nämlich die Frage gestellt: „Was kommt jetzt? Seid ihr auch nur eine der vielen Bildungsinitiativen, die dann schließlich ins Leere gehen?“.

Dazu meine Antwort: Wie das Projekt konkret ausschauen wird, werden in wir in den nächsten Wochen eruieren und mit euch teilen. Momentan konzentrieren wir uns auf die Aufarbeitung und Verarbeitung der Bildungsreise – wir haben unheimlich viel wertvollen Input sammeln können und müssen diesen erst aufbereiten, bevor wir Schlüsse daraus ziehen können. Da die gesamte Reise eine sehr spontane Aktion war (Vorlaufzeit: 2 Wochen) war sie auch für uns selbst ein spannender Lern- und Bildungsprozess. Die 4 Grundfragen zum Beispiel, die ich jedem gestellt habe, mit dem ich über Bildung reden durfte, haben sich erst während des Trips herauskristallisiert, genauso wie die Route völlig offen war. (Ich bin nur an Orte gefahren, die mir von Personen während der Reise empfohlen bzw. ans Herz gelegt wurden.)

Es wird kommendes Wochenende eine Teamklausur stattfinden, wo es auch zu einer Entscheidung kommen wird, in welche Richtung sich das Projekt „Land der Bildung“ weiterhin bewegt.
In den kommenden Wochen werden wir euch außerdem detaillierter von den spannenden Leuten erzählen, die ich in meiner zweiten Woche on tour kennengelernt habe und eine schlüssige Conclusio der Reise verfassen.

Ihr dürft also gespannt sein; wir halten euch auf dem Laufenden!

Ich bekomme ständig Feedback, Input, Tipps, Verlinkungen. Das Thema beschäftigt scheinbar wirklich jeden auf die eine oder andere Weise. Falls ihr noch keine Chance hattet, uns euer Input mitzuteilen und diesen jetzt schon, bevor unser Projekt losstarten wird, an uns weiterleiten wollt, schickt uns einfach ein Mail an: stephanie@landderbildung.at.

 

Nun noch zu meinen persönlichen Eindrücken der letzten Woche:

Die ersten 24h waren ein kleiner Schock für mich. Ich hatte mich mittlerweile so sehr an meinen Rucksack, den Daumen und keine Privatsphäre gewöhnt. Wieder in meinem eigenen Bett zu schlafen und mich „nur“ mit einer Handvoll Leuten über das Thema Bildung auszutauschen kam mir im ersten Augenblick eigenartig vor.

Gleichzeitig merkte ich aber auch sehr schnell, dass ich diese Pause wirklich brauchte. Die zweite Woche war schon eine ziemliche Herausforderung für mich gewesen, denn ich merkte eindeutig, dass die notwendige Energie dafür aus meinen Reservebatterien kam. Durch den Zeitdruck (2 Wochen Reisedauer) hatte ich keinen Tag, den ich rasten konnte.  Das zusätzliche Ziel, alle Bundesländer in diesen 2 Wochen zu bereisen, machte es nicht einfacher. Aber gerade deshalb dürft ihr umso gespannter sein, was mir in der zweiten Woche so alles passiert ist und was ich über den persönlichen Bezug zum Thema Bildung herausgefunden habe.

 

Eines der schönsten Erlebnisse seit meiner Rückkunft war ein Innovation-Camp in Niederösterreich. Ich durfte als Seminartrainerin 30 Jugendliche zwischen 16 und 20 Jahren 24 Stunden dabei begleiten, neue, kreative Konzepte für die Firma Sonnentor zu basteln.

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Es war großartig zu sehen, was Jugendliche in diesem Alter kreativ leisten können, wenn man ihnen das notwendige Vertrauen und die richtigen Möglichkeiten gibt.  Als ich sie während des Camps zum Thema Bildung befragte, bekam ich Antworten wie „Bildung findet für mich in der Schule statt, trotzdem finde ich solche Projektmöglichkeiten sehr wichtig als Ergänzung zum gewöhnlichen Unterricht. Ich kann mich hier nicht nur mit anderen SchülerInnen austauschen, sondern auch von ihnen lernen und meine Gruppe mit meinen Fähigkeiten unterstützen. Bildung ist genau so ein Austausch für mich.“

Ein anderer Schüler antwortete: „Bildung hat für mich nicht direkt mit Schule zu tun. Ich gehe sehr selten in die Schule, da dort die meisten LehrerInnen den Stoff einfach runterbeten. Mir ist es lieber, wenn ich mich zu Hause einfach 2 Stunden hinsetze und ihn mir zum Großteil selber beibringe.“

Man kann an Kommentaren wie diesem die Vielfalt unter den Schülerinnen und Schülern sehr gut erkennen und auch die Diversität ihrer individuellen Motivation. Die Veranstaltung im Waldviertel nahm mir zwar die Zeit, einen neuen Blogpost zu schreiben, gab mir aber auf der anderen Seite weitere interessante Einblicke in das „Land der Bildung“.

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Ein weiteres, wirklich lustiges Erlebnis der letzten Woche war meine Geburtstagsfeier im Ost Klub. Als ich beim Buffet stand, starrte mich dann ein Mädchen eine ganze Weile an, bis es plötzlich aus ihr herausbrauch: „Du bist doch diese Bildungsreisende, oder?!“.

Ich verschluckte mich fast und musste innerlich lachen. „Bildungsreisende“, so hatte mich noch niemand angesprochen, aber das mich sogar jemand ohne Haube und Likedaumen darauf anspricht hätte ich mich während meiner Reise nicht zu träumen gewagt.
Die Reichweite dieses Blogs überrascht mich immer wieder und ich werde mein Bestes geben, auch die zweite Woche meiner Reise spannend wiederzugeben.

Gestärkt also mit vielen neuen Eindrücken, zurückgewonnener Privatsphäre und unglaublichem Rückhalt, starte ich gemeinsam mit Mathias und Clemens los in die Aufarbeitung des wertvollen Contents, den wir dank eurer Hilfe sammeln konnten. Ihr dürft gespannt sein auf das Projekt, das sich aus entwickelt – wir können es selbst kaum erwarten!  Um die Zwischenzeit besser zu überbrücken gibt es hier die Möglichkeit, sich für unseren Newsletter anzumelden. (In der rechten Seitenleiste der Webseite einfach eintragen.)

Es ist schön, wieder in Wien zu sein und noch schöner, die Gewissheit zu haben, dass Bildung ein Thema ist, das nicht nur mein Umfeld hier in der Hauptstadt beschäftigt.

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Nachdem ich schon eine Weile durch die Grazer Innenstadt und einer ziemlichen “Saukälte” geirrt war traf ich auf Jacky. Sie war gerade zu einer Party unterwegs und schickte mich sofort zu ihrem Haus, wo ich Andreas traf und bei einem Glas Wein eines der spannendsten Gespräche der gesamten Tour hatte. Einblicke, die ich in meinem privaten Umfeld sicher nicht bekommen hätte.  Er erklärte mir, was es heißt, sich als junges Elternpaar mit dem Thema Bildung auseinanderzusetzen. Ein Resultat dieser Auseinandersetzung ist, dass ihre Tochter Ronja ab nächstem Jahr in einen Waldkindergarten gehen wird.

Ich durfte die süße Ronja in der Früh dann auch noch kennenlernen, nachdem ich in der Nacht neben ihrem Hund auf der Couch geschlafen habe. Nachdem ich Ronja etliche Bücher vorgelesen hatte, beschlossen wir beide nicht über Bildung zu sprechen, sondern sie einfach mal auf die Wäscheleine zu hängen ..

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Von Graz aus wurden meine Weiterfahrten immer schwieriger. Es hatte etliche Minusgrade und in Graz neben der Straße zu stehen machte es nicht wirklich erträglicher. Die vielen schockierten und verwunderten Blicke bohrten Löcher in mein erfrorenes Gesicht.

Nach vier Mitfahrgelegenheiten kam ich schließlich in Pitten an. Noch nicht ganz Burgenland, aber fast. Ein Neuseeländer hatte sich bereit erklärt, mich bei sich unterkommen zu lassen. Am Anfang hatte ich einige Bedenken, er schien mir einfach „zu nett“.
Dann allerdings musste ich mich als gebürtige Australierin daran erinnern, dass es in Neuseeland und Australien eine ganz andere Mentalität im Beherbergen von Fremden gibt. Mir wurde erneut bewusst, wie viel Bildung mit Vorurteilen zu tun hat – was auch zu einem spannenden Diskussionsthema mit meinem neuseeländischen Host wurde.

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Tag 12 war angebrochen und ich konnte das „B“ Wort schon fast nicht mehr hören. Ich hatte schon mit so vielen Leuten darüber gesprochen und hatte bis jetzt keinen Ruhetag, um all diesen Input zu verarbeiten. Zwei Tage lagen aber noch vor mir, und ich hatte nicht vor aufzugeben.

Das Burgenland hatte mich nur für eine kurze Weile. Der erste Autofahrer entschied für mich die Route entlang des Neusiedlersees und ein lustiges Erlebnis war die Tankstelle in Donnerskirchen im Burgenland. Es war so kalt draußen, dass ich mich in der Tankstelle aufwärmen wollte und als ich sie betrat stellte sich heraus, dass es sich hier um einen Hotspot im Ort handelte.

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Neben der Leberkässemmel und dem Kaffee, auf die ich eingeladen wurde, bekam ich viel Input von einer älteren und ländlich geprägten Generation. Überwiegend männlich und sehr interessiert am Trip. Sie erzählten mir, dass Bildung sehr viel mit Praxis zu tun habe und sie oft das Gefühl haben, die junge Generation gar nicht mehr verstehen zu können. „Die sitzen doch nur vor ihren Handys“ meint einer. Ein anderer ergänzte: „Die sollen was Gscheits lernen“.
Orte wie diese sind faszinierend, denn man kann dort sehen, dass der Konflikt zwischen den Generationen gerade seit Beginn des digitalen Zeitalters noch extremer wird. Bildung findet laut Herrn B. in der heutigen Zeit bei  ”den Jungen”  sehr stark online statt, nur hat sich laut ihm noch nie jemand die Zeit genommen, es der älteren Generation zu erklären. Er ist der Meinung, dass sich “die Jungen” scheinbar so sehr in das Leben online steigern,  dass sie gar nicht merken, wenn jemand den Sprung ins Onlineleben noch nicht geschafft hat.

Diese Erfahrung gab mir zu denken und ich wollte daraufhin genau auf diese Generationenfrage eingehen. Während ich an meiner Leberkässemmel kaute beschloss ich dass in meinem Umfeld zu tun und gleichzeitig meine eigene Bildung zu hinterfragen. Ich machte mich also, nach dem ich im Burgenland fertig war, auf den Weg ins Waldviertel. Genauer gesagt nach Schrems zu meinen Großeltern und Oma’s Schweinsbraten. Bis jetzt hatte ich mich nur von den FahrerInnen und den Menschen am Weg leiten lassen und bin dorthin gefahren, wo man mich hinbrachte und hinempfahl.

Zum Abschluss der Reise wollte ich allerdings meinen eigenen Bildungsweg genauer erkunden und hinterfragen.
Nach einem etwas längeren Kampf, die richtigen FahrerInnen zu finden, war Vlad so freundlich, mich durch den Wiener Verkehrsdschungel zu führen, zwei Lehrlinge aus Wiener Neustadt nahmen mich nach Maissau mit und ein Herr R. aus Maissau führte mich direkt vor die verschneite Tür meiner Großeltern. Großartiges Kino fand statt, als ich das Wohnzimmer meiner Großeltern betrat. Sie dachten zuerst, ich sei ein Geist, da es sich um einen Überraschungsbesuch handelte.
Zusätzlich waren sogar meine Eltern und drei meiner  Brüder vor Ort, um den Geburtstag meiner Oma zu feiern.

Somit hatte ich auch die Chance, meine Eltern und einen meiner Brüder, der bald Lehrer sein wird, zu interviewen.

Etwas, das sich inhaltlich wie ein roter Faden durchzog, war, dass alle meinten, sie hätten in ihrer Familie am meisten gelernt. Meine Großeltern von ihren Kindern und der Erziehung derer. Meine Mutter „hier in meinem Elternhaus“. Mein Vater, ein gebürtiger Australier: „from my family“. Einer meiner vier Bruder jedoch antwortete auf die Frage: „Im Ausland“.

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Unsere Eltern hatten uns die Freiheit gegeben, ins Ausland zu gehen. Das heißt nicht, dass sie uns die Reisen finanzierten; sie bestärkten uns einfach darin, wenn wir auf ein solches Abenteuer gehen wollten. Ihre Förderung unserer Abenteuerlust kam mir auch während des Trips äußerst zu gute: denn das Reisen und auch so manche andere scheinbar verrückte Aktion haben mich gelehrt, keine Angst vor Fehlern zu haben, sondern aus ihnen zu lernen und haben mir darüber hinaus ein Mindset der Offenheit gegenüber dem Neuen gegeben. Wofür ich sehr dankbar bin.

Zur Generationenfrage sprechen diese zwei Bilder mehr als tausend Worte:

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Meine Großeltern waren sehr begeistert, als ich ihnen einen Einführung in den “Land der Bildung” Blog  gab und sie währenddessen fotografierte. Danach ihre eigenen Fotos am Handybildschirm zu betrachten war für sie ein Highlight. Dieses ganze “Computerzeugs” ist schon zu viel für ihn, meinte mein Großvater. Zu alt wäre er, um sich jetzt noch damit zu beschäftigen. Auch meine Einführung konnte seine Einstellung diesbezüglich nicht verändern. Oder vielleicht doch?
Ich bekam einen Anruf von meiner Großmutter ein paar Tage danach, ob ich wohl gut angekommen sei und ob es schon einen neuen “Blogpost” gäbe.

Mein letzter Reisetag brachte mich zum “PAN-Projekt”. Welche (Bildungs)Eindrücke ich von dort nach Hause nehmen konnte gibt es im nächsten Blogeintrag “Woche 2 – mein letzter PANtastischer “Auf nach Bildung” Reisetag (3/3)” nachzulesen.

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In den nächsten drei Blogposts habe ich für euch die spannendsten Erlebnisse der zweiten Woche meiner Reise zusammengefasst. In jener Woche bin ich von Vorarlberg, über Fulpmes in Tirol, nach Villach; von dort dann weiter nach Graz, in den burgenländischen Seewinkel und letztendlich in’s Waldviertel (Niederösterreich) gereist.

Nachdem ich noch einen Tag in Dornbirn verbrachte und im Sonderpädagogischen Zentrum zu Mittag essen durfte, mit Schülerin Isabella und ihren Kollegen im BRG über ihren Partizipationswillen (“Man muss gerade uns fragen, weil wir sind da und wir wissen was gut und nicht so gut ist!”) sprach und das Projekt „Leuchtturm“ besuchte, wo Jugendliche ihren Hauptschulabschluss nachholen können.

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Isabella & Kollege                                                                  Projekt Leuchtturm

Spannend an diesem Projekt war, zu sehen, wie Bildung Menschen Mut geben kann. Teilnehmende erklärten mir, nun wieder den Mut zu haben, ihren Träumen nachzugehen und Arzt, Krankenschwester oder Tatoo-Artist werden zu wollen. Die Erfahrung im Leuchtturmprojekt sei eine ganz neue, denn in ihren vorherigen Schulen sei ihnen vor allem gesagt worden: “Du wirst es nie schaffen!”. Für sie ist der Leuchtturm eine wahre Licht- und Hoffnungsquelle, in einem an (Bildungs-)Möglichkeiten sonst eher düsteren Leben.
Projektleiterin Lisi Schwendinger’s Traumschule ist eine Schule die SchülerInnen da abholt, wo sie stehen und sie fördert in den Bereichen, die sie interessieren.

Mein nächstes Bundesland war wieder Tirol. Dort hatte ich die Möglichkeit, im Don Bosco Schülerheim zu übernachten (Danke Peter!) und die HeimbewohnerInnen zum Thema Bildung  zu befragen.

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Das Gespräch am nächsten Tag mit dem Direktor der HTL Fulpmes, Martin Schmidt -Baldassari zeigte mir erneut, wie wichtig die Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden ist:

Er schilderte mir, wie wichtig es sei, dass sich neben dem Weitergeben von fachlicher Kompetenz und dem Fördern der Persönlichkeitsentwicklung, im Klassenzimmer jeder als Lehrender und Lernender wahrnimmt. Natürlich sei die fachliche Kompetenz des Lehrers und die Unterstützung, die er zum Erwachsenwerden der Schüler beiträgt nicht zu übersehen. Aber den Schülern die Möglichkeit zu geben anmerken zu dürfen wenn etwas nicht passt, ermögliche auch den Lehrern, sich immer weiter zu verbessern und zu lernen. Zentral dabei sei der höfliche Umgang. Eine SchülerIn sollte seine/ihre Meinung ehrlich ausdrücken dürfen, denn ansonsten würde man systematisch „Ja- Sager“ produzieren – das für Direktor Schmidt–Baldassari schlimmste Szenario. SchülerInnen, die alles ohne zu Hinterfragen annehmen und ausführen.

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Peter                                                                  Martin Schmidt -Baldassari

Nach diesem Einblick bekam ich noch eine Tour durch die Werkstätten der HTL. Holz-, Plastik-, Eisenverarbeitung mit sichtlich motivierten SchülerInnen.

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Weiter ging es (etwas umständlich) über’s Deutsche Eck nach Villach. Dort kam ich bei Sabrina unter, welcher der Austausch von Fähigkeiten im Bildungssystem ein großes Anliegen ist. Nur durch Kooperation kann man ihrer Meinung nach wirklich etwas über sich lernen – ein Leben lang. Keuchend und verschwitzt radelten wir zur Carinthia International School (CIS), wo folgendes Kurzvideo entstand.

Danach gab es ein Mittagessen mit Robert, einem Bekannten von Sabrina, der folgende Gleichung aufstellte: Bildung = Erfahrung = Zeit*Raum*Beziehung. Er ist überzeugt, dass durch Gesten wie einem symbolischen Ritual am Anfang des Schuljahres, bei dem die Lehrer den Schülern die Hände waschen, die Beziehung zwischen diesen gestärkt wird. Weitere spannende Einblicke bekam ich auch bei „change the box“, einem Get-together der Klagenfurter Startup-Szene, zu dem mich Sabrina mitnahm.

Allerdings musste ich mich als Skifahrerin verkleiden, um gratis die ÖBB nutzen zu können – mit einem Skiticket und Skibekleidung versuchte ich den Anschein zu machen, gerade vom Berg zu kommen und somit gratis fahren zu dürfen. 0 Euro it is! ;)

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Bevor wir aufbrachen durfte ich noch Sabrinas Mutter, Melitta, kennenlernen, die mir von ihren Erfahrungen als Kindergartenpädagogin erzählte und nicht ganz einverstanden mit der Tatsache ist, dass einige Eltern die ganze Erziehungsverantwortung an KindergartenpädagogInnen abtreten und somit keine vernünftige Grundlage mehr zur Erziehung und Bildung der Kinder besteht.

Zufälligerweise fuhr sie gerade zu einer Gewerkschaftsversammlung von LehrerInnen. Sabrina und ich zogen es dann aber doch vor,  die Landwirtschaftliche Fachschule Stiegenhof zu besichtigen. Dort erhielten wir einen guten Einblick in Unterrichtsmethoden, welche die Natur miteinbeziehen: Kühemelken, aber z.B. auch Gartenanbau wird dort vermittelt, betonte der Vizerektor.

Am Weg nach Graz nahm mich ein ehemaliger Taxifahrer mit. Er schleppte gerade ein Auto ab und schleppte mich gleich mit ab. Sein Kommentar zu Bildung: „Wenn du etwas lernen willst, rede mit TaxifahrerInnen – die wissen/hören/sehen alles.“

Am Ende dieses Tages landete ich in Graz bei Stefan, einem Studenten. Er war auch mein letzter Autofahrer vor Graz. Seiner Meinung nach ist Selbstreflexion die Grundlage und im Optimalfall auch das Resultat von Bildung. In vielen Haushalten werde Selbstreflexion allerdings nicht mehr gefördert.

Ich verbrachte einen großen Teil meines Tages in Graz mit Philipp, der gerade von einer Bildungstour in Brasilien zurückgekommen war. Er hatte mich kontaktiert und so spazierten wir durch die Stadt und diskutierten seine, wie auch meine bisherigen Erkenntnisse. „In Brasilien passiert gerade einen Bildungs(r)evolution und wir sind mitten drin“, erzählte er ganz aufgeregt.

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Gemeinsam begaben wir uns ins „KLEX“. Das KLEX – Klusemann Extern ist eine Ganztagsschule mit veränderter Zeitstruktur, für 10 – 14Jährige. Was mir sofort ins Auge stach waren die Möbel. Manche Klassenzimmer waren etwa mit Stockbetten und Couches ausgeschmückt. Ich frage mich, wie diese Möbel die Kinder (und auch Kinder im Allgemeinen) im Schulalltag beeinflussen – verändert es ihren Bezug zum Klassenzimmer? Ihre Lernmotivation? Die Art, wie sie lernen? Leider kamen wir beim KLEX erst mit dem Läuten der Schulschlussglocke an und konnten deshalb nicht mit Kindern und Schulpersonal sprechen.

Wie so oft während des Trips fragte ich mich, warum ich mich auf diesen 0-Euro-Deal eingelassen hatte. Wildfremde Leute fragen zu müssen, ob sie für die Nacht noch ein Bett freihaben, gab mir nicht nur ein gewisses Gefühl der Obdachlosigkeit, sondern forderte mir auch einiges an Selbstüberwindung ab. In Graz wurde mir die Sinnhaftigkeit dieser Herausforderung aber wieder eindeutig vor Augen geführt: Ich hatte um 21:30 noch keine Unterkunft gefunden und sprach auf der Straße fremde Leute an.

Auf wen ich traf und ob ich eine Übernachtungsmöglichkeit fand könnt ihr im nächsten Blogpost “Woche 2 –  Von Saukälte und Omas Schweinsbraten (2/3)” schon in den nächsten Tagen nachlesen.

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Am Sonntag habe ich meine Freundin Chrissi zu ihrer Arbeit, der „Kleinwohnanlage Birkenwiese“, einem für sie sehr lehrreichen Ort, begleitet. Sie arbeitet hier mit Menschen mit Behinderung und man braucht nur den Eingang betreten, da merkt man schon, dass hier „gelebt“ wird. Sogleich lerne ich Klaus, einen sehr aufgeweckten Mann im Rollstuhl kennen und er schildert mir äußerst enthusiastisch, wie er sich für „Selbstvertretung“ einsetzt, also dafür, dass Menschen mit Beeinträchtigung auch von Menschen mit Beeinträchtigung vertreten werden. Eine Herausforderung, da Menschen wie er ohnehin täglich mit Barrieren zu kämpfen hätten, sei es im Gasthaus oder beim Einsteigen in den Bus. Ein normales Leben sei kaum möglich, aber man könne sich durch Inklusion daran annähern: Deshalb ist Klaus‘ Traumschule eine Schule der Inklusion. Wie viel ihm die Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigung bedeutet merke ich auch, als er mir von der Inklusionsparty, die im Mai stattfinden wird, erzählt. Bands werden auftreten und jeder sei willkommen: das sei wahre Bildung für ihn.

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Nach diesem ermutigenden Gespräch und etlichen weiteren Eindrücken mache ich mich gemeinsam mit dem Zivildiener Simon auf den Weg in die Innenstadt Dornbirns – ich befinde mich auf der Suche nach einer Unterkunft, denn auch wenn es bei meinen Freundinnen sehr schön war, so ist es doch mein oberstes Ziel, immer neue Leute und ihre Gedanken zu Bildung kennenzulernen. Es dauert nicht lange, da treffe ich Kelvyn, der mich gern in seiner WG unterbringt. Auf dem Weg nach Hause erzählt er mir von seinen Schultagen in einer Montessorischule. Vor allem der scheinbar unbegrenzte Freiraum, den er in dieser Schule hatte, war ihm sehr viel wert. Er konnte sich mit Dingen auseinandersetzen, die ihn interessierten und musste sich von klein an selbst organisieren. Später musste man sich auch mit den eigenen Schwächen befassen. Als er dann in die Berufsschule wechselte, sei das schon ein Erlebnis gewesen. Als „kurios“ beschreibt er seinen ersten Tag dort, in einer Klasse mit 37 anderen. In der Montessoriklasse waren sie gerade einmal 10 SchülerInnen gewesen. Von der letzten Reihe aus auch nur irgendetwas mitzubekommen, sei nahezu ein Ding der Unmöglichkeit gewesen, schildert er seine Erfahrung in der Berufsschule weiter.  An der Berufsschule hat er außerdem 46 Stunden pro Woche, während es an der Montessorischule nicht annähernd die Hälfte gewesen waren. Doch auch wenn es eine Herausforderung gewesen war, er habe sie geschafft und außerdem die Matura nachgeholt, damit er das Grafikdesignstudium, das er gegenwärtig verfolgt, aufnehmen konnte. Seiner Meinung nach eine gute Entscheidung.

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(Oft fragen mich Menschen, ob ich nicht Angst hätte vor den vielen fremden Menschen & Orten.  Katharina (Kelvyns Mitbewohnerin) und ihre Backkünste flößten mir bis jetzt wohl am meisten Angst ein ;))

Schließlich erzähle ich ihm noch ein wenig von meiner bisherigen Reise und es beweist sich wieder einmal die altbekannte Weisheit, dass die Welt ein Dorf ist: die Menschen, die mich von Zirl aus mitgenommen hatten, sind gute Freunde von ihm. Er sei dort aufgewachsen und habe gemeinsam mit ihnen einen Kulturverein gegründet.

Am Abend denke ich noch einmal über meinen Besuch in der Kleinwohnanlage nach und an die Ausführungen von Klaus über Inklusion. Man sollte sie sicherlich stärker in die Schulbildung einbinden. Denn wenn wir uns nicht die Chance geben, von Menschen mit Beeinträchtigung zu lernen und Menschlichkeit und Akzeptanz mit ihnen zu üben, so behindern wir in erste Linie uns selbst.

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